Freitag, 3. Februar 2006

 

Typische Fragen vor Aufnahme des Studiums

So ein berufsbegleitendes Studium zieht einschneidende Konsequenzen vor allem für das private Leben nach sich, die nicht zu unterschätzen sind. Daher fällt die Entscheidung naturgegebenermaßen nicht leicht. Daher hier einige Tips.

Ist der finanzielle Aufwand angemessen?

Ja. Das Studium kostet rund 8000 EUR, die sich auf drei bis vier Jahre verteilen. Viele Arbeitgeber geben Zuschüsse, teilweise bis zu 90%, üblich sind wohl 50%. Normale Zwei- / Drei-Tages-Schulungen bei einem privaten Bildungsanbieter, etwa die beliebte "Projektleiter-Schulung", kosten den Arbeitgeber im Schnitt 1500 EUR (und bringen in der Regel nichts) , eine 5-Tages SAP-Schulung kostet etwa 4000 EUR. Ein deutscher Universitätsabschluß ist natürlich mit erheblich mehr Wissensakkumulation und Reputation verbunden, als irgendein Zertifikat dies leisten könnte. Das Studium ist also vergleichsweise preiswert, zumal die Kosten ja auch von der Steuer abgesetzt werden können.

Wie hoch ist der Zeitaufwand?

Das hängt natürlich von der Vorbildung ab. Einige Vawiisten haben bereits an einer FH oder BA Wirtschaftsinformatik oder Informatik studiert, einige BWL, andere Jura usw. Es gibt auch (selten) Geisteswissenschaftler. Einige Fächer sind hart, andere nicht so.

Bei mir gehen sehr viele Wochenenden komplett drauf (manchmal drei, manchmal nur eins im Monat) und ein bis zwei Wochen Urlaub pro Jahr, die ich ausschließlich mit der Prüfungsvorbereitung oder der Erledigung von Übungsaufgaben verbringe. Ich habe mich erheblich umstellen müssen. Soziale Kontakte leiden, insbesondere in der Prüfungszeit. Eine verständnisvolle Frau bzw. ein rücksichtsvoller Mann sind wichtig. Ständig sitzt die nächste Übungsaufgabe im Nacken.

Allerdings betreibe ich das Studium recht ernsthaft und bin am Stoff wirklich interessiert, weil ich es beruflich gut verwerten kann. Einige Studenten nehmen die ganze Sache erheblich lockerer und fangen bspw. einen Tag vor der Prüfung im Hotel in Bamberg oder in Essen an zu lernen - und sie kommen auch (manchmal) durch.

Kann man Networking betreiben?

Ich habe einige wirklich nette Kommilitonen kennengelernt. Allerdings ist der typische Vawi-Student kein Entscheider, der große Budgets unter sich hat. Da will er erst noch hinkommen;-) Horizonterweiternd ist das Studium aber allemal.

Bamberg oder Duisburg-Essen?

Die meisten Studenten entscheiden sich wohl aus geographischen Gründen für eine Uni. Bei mir lag beides gleich weit weg. Ich habe Bamberg gewählt, weil dort einige sehr renommierte Profs herkommen, Bamberg im Gegensatz zu Duisburg oder Essen touristische Qualitäten hat und ich alte Universitäten einfach mehr schätze als Neubauten.

Sind die Prüfungen sehr schwer?

Teilweise schon, aber je länger man dabei ist, desto routinierter wird man auch. Man muß den Stoff wirklich verstanden haben, um sie erfolgreich zu bestehen. Selbst für eine 4 muß man ja mindestens die Hälfte wissen. Zum Überlegen bleibt meist keine Zeit, die muß man einfach runterschreiben. Einige Prüfungen, etwa BWL, sind mit purem Pauken leicht zu bewältigen. Andere, etwa Controlling oder Modellierung von Systemen und Prozessen, sind da schon etwas spezieller. Die Bewertung der Prüfungen durch die Tutoren bzw. Profs ist übrigens fair. Vielen fällt die Lernerei schwer, insbesondere wenn sie schon länger im Berufsleben stehen. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Am schwierigsten ist eigentlich die Überwindung des inneren Schweinehundes, bei 28 Grad Außentemperatur an einem schönen Samstag nicht gemeinsam mit der Familie an den See zu fahren sondern stattdessen SQL zu lernen...

Wie steht's mit der Mathematik?

Es geht. Viel Mengenlehre. Aber das kann man mit Internetquellen und Wikipedia ganz gut bewältigen, auch wenn es Zeit frißt. Und man muß ja auch nicht alles ganz genau verstehen wollen;-) Hin und wieder kleine Denksportaufgaben: Wie lange braucht eine Festplatte für eine Umdrehung in ms, die 3600 rpm (rounds per minute) aufweist? Ach ja: in einem Fach beschäftigt man sich u.a. mit Zahlenrepräsentation im Rechner: also rechnet man hier mit Binär- und HEX-Zahlen. Rechnen mit logischen Operatoren lernt man auch, aber das ist nicht schwer.

Wie hoch ist die Abbrecher-Quote?

Das ist ein gut gehütetes Geheimnis. Ich weiß es nicht, schätze sie auf ca. 30-35%. Ich habe es bei zwei Komillitoninnen mitbekommen: eine hat gleich am Anfang hingeschmissen, weil sie es zu theoretisch fand (Obacht: Unistudium ist nicht Administratorenschulung und nach dem Datenbank-Kurs ist man kein Oracle-Spezialist und nach dem ERP-Kurs ist man kein SAP-Berater!), die andere hatte während des Studiums zuwenig Zeit für die Familie. Sie hörte nach zwei Jahren auf.

Comments:
Hallo, ich habe mal ein Frage zum Arbeitsaufwand. AUf der VAWI-Seite habe ich gelesen, das man pro Kurs in etwas 135h benötigt, wenn man nun in 6 Semestern das Studium durchziehen möchte, dann hat man 3 Kurse pro Semester, also 405h Workload, da ein Semester 3 Monate hat, da dann ja die vorlesungsfreie Zeit folgt, hat man also 405h pro 3 Monate bzw. pro 90 Tage, das entspricht in etwa 4,5h pro Tag, das kommt mir schon etwas viel vor, zumal es ja berufsbegleitend zu absolvieren sein soll. Lieg ich hier irgendwie falsch, oder mach ich mir nur zu viele Sorgen, wie das schaffbar sein soll. Oder sind die 135h nicht so realistisch veranschlagt? Ich habe schon ein Bachelor-Fernstudium absolviert, da gab es keine Semesterferien, und es wurden am Anfang 60h pro Woche für das Studium veranschlagt, dies fand ich nicht sehr realistisch, da man mit zwei bis 10h pro Woche locker durch Studium kam. Sind also diese Werte 135h eher als etwas überdimensioniert anzusehen, bzw. aus dem Aspekt, dass man ohne jegliches Vorwissen an den Kurs herangeht und das man es nach 135h gepeilt haben müsste, aber eigentlich vlt. auch schon nach 35h?
Oh, jetzt habe ich aber sehr viel geschrieben, würde mich aber trotzdem über eine antwort sehr freuen.
LG
 
Hallo, der tatsächliche Aufwand liegt unter dem theoretischen Aufwand. Am Anfang ist er allerdings höher, später sinkt er, weil man erfahrener an die Übungsaufgaben und das Lernen für die Prüfungen herangeht. Ich mache allerdings auch nur 2 Kurse pro Semester, mehr schaffe ich neben dem Beruf nicht. Als erfahrener Vawiist braucht man: pro Übungsaufgabe ein Wochenende bei durchschnittlich zwei Übungsaufgaben pro Kurs und zwei bis drei volle Tage pro Kurs für die Prüfungsvorbereitung. Einige Kurse brauchen allerdings deutlich mehr Zeit für die Prüfungsvorbereitung, was allerdings von der Vorbildung abhängt. Ich brauchte z.B. für Controlling/ Kostenrechnung deutlich über eine Woche.
 
Hallo, eine Frage zu der von VAWI angegebenen erforderlichen zweijährigen Berufserfahrung. Wie sehr wird darauf geachtet? Hast du bzw. ihr Erfahrungswerte, ob auch mit etwas weniger Berufserfahrung Studenten angenommen werden? Über eine Anwort würde ich mich sehr freuen. LG
 
Frage am besten direkt bei der Studienberatung in Bamberg oder Dusiburg nach. Ich glaube, die sehen das nicht so eng.
 
Zur Frage "Essen oder Bamberg" wäre vielleicht noch zu erwähnen, dass man im Bamberg Student ist, in Essen Gasthörer. In Bamberg bekommt man Zugang zum MSDN, in Essen nicht. Die Bamberger Studenten haben ein eigenes Pruefungstool online, mit dem sie sie ihre Leistungen anschauen (?) können (weiss nicht, ob das was kann).
 
Im Rahmen des Bewerbungsverfahrens steht auch ein persönliches Interview auf dem Programm. Was erwartet da einen genau? Fragen über Fragen oder eher eine lockeres Gespräch?
LG
 
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